Wie man das so am Ende eines Jahres machen kann, um Bilanz zu ziehen oder um einfach mal zu reflektieren, was so insgesamt bzw. was direkt mir so passiert ist, ob und wie man seine Einstellungen zu bestimmten Sachverhalten geändert, schreibe ich zum Ende des Schuljahres 2018/2019 mal all das nieder, was mir zum Thema dieses Blogs einfällt. Durch die Verschriftlichung meiner krausen Gedanken wird es mir möglicherweise auch selbst gelingen, etwas Ordnung in mein Gedankenchaos zu bringen.
All dies, was ich hier niederschreibe, ist alles wie immer rein subjektiv, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und schon gar nicht auf Wissenschaftlichkeit. Auch die Erwähnung von bestimmten Unternehmen bzw. von deren Produkten ist keine bezahlte und auch keine unbezahlte Werbung.
Ich habe immer mal wieder überlegt, was Digitalisierung – zumindest zur Zeit – für mich bedeutet. Im Moment definiere ich es so für mich: Digitalisierung in der (Aus)Bildung bzw. in der Schule bedeutet für mich, dass ich den SuS den Unterrichtsstoff auf eine Art und Weise näherbringen kann, wie dies bisher nicht möglich war.
Durch den aktuellen Stand der digitalen Informations- und Kommunikationstechnologie, und dies umschließt Hardware wie Software, gibt es Möglichkeiten, die unter analogen Bedingungen bisher nicht möglich waren.
Dabei benutze ich verschiedene digitale Instrumente, darunter auch welche, die im theoretischen Diskurs nicht immer wohlgelitten sind. Ich nenne als Instrumente mal LearningApps (learningapps.org) oder Learningsnacks (learningsnacks.de), Quizlet, Kahoot etc.
So habe ich per Learningsnacks Übungen im Fach „Wirtschaft und Soziales“ erstellt, die den Aufgaben in der IHK-Prüfung für Kaufleute aller Art sehr ähnlich sind. Für alle, die nicht im berufsbildenden Bereich unterwegs sind, will ich kurz einfügen, dass Teile der schriftlichen Prüfungen der IHK als Multiple-Choice-Aufgaben gestellt werden. Meiner Ansicht nach können gerade die o. a. Werkzeuge dazu dienen, prüfungsähnliche Fragen für die Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und ihnen zur Verfügung zu stellen. Einen Vorteil gerade für meine Klientel sehe ich darin, dass sie die Fragen auch auf dem Smartphone bearbeiten können und sie sich dafür nirgends anmelden müssen.
Ich bin im Klaren darüber, dass dies aus lernpsychologischer Sicht nicht optimal ist. Ja, es steckt sehr viel Behaviorismus darin. In dieser Hinsicht stimme ich mich Axel Krommer (@mediendidatik_) überein. Ich hatte das Vergnügen, ihn vor einigen Wochen auf dem Medienbildungstag an der Universität Bielefeld kurz zu treffen und mich mit ihm darüber auszutauschen.
Leider sind jedoch heutzutage noch viele Prüfungen so angelegt, dass möglichst viel „Wissen“ zu einem bestimmten Zeitpunkt von den Schülerinnen und Schülern präsentiert werden muss (Ich möchte kein schlimmeres Wort als „präsentieren“ benutzen). Da aber Prüfungen solcher Art bzw. deren Ergebnisse der Gradmesser für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sind, sehe ich es als eine meiner Aufgaben an, meine Schülerinnen und Schüler auch auf diese Art der Prüfungen vorzubereiten, also ihnen nicht nur die Inhalte nahezubringen, sondern auch die Art und Weise der Prüfung. Und auch wenn es zumindest im berufsbildenden Bereich niemand offiziell sagt, so bildet doch die Kammerprüfung ein Art heimliches Curriculum.
Zu den Anwendungen, die ich im digitalen Bereich nutze, gehört Ouizlet, wobei ich es den SuS überlasse, ob sie dieses Instrument nutzen möchten.
Ich versehe zum Teil meine Arbeitsblätter mit QR-Codes haben. Dabei enthalten die QR-Codes entweder einen Link zu einer Webseite oder einem Video, die hilfreiche Informationen zur Lösung der Aufgabe enthalten oder der QR-Code enthält die Musterlösung.
Unter Learningsapps.org habe ich Übungen erstellt, die ich in Moodle als Lernpaket speichern konnte und die den SuS als digitale Übungen zur Verfügung stehen.
Unter Moodle habe ich jetzt auch zum ersten Mal einen digitalen Test erstellt und mit einer Klasse durchgeführt.
An der Schule, wo ich tätig bin, wird z. Zt. darüber diskutiert, welches Lernmanagementsystem bzw. welche Software für die Bedürfnisse der SuS bzw. der KuK optimal wäre. Im Raum stehen Moodle, was zur Zeit zwar schon im Einsatz ist, aber nur von sehr wenig KuK genutzt wird aufgrund einer als unbequem betrachteten Usability, oder Office365.
Wie angedeutet ist Moodle bereits eingeführt, erfreut sich aber einer nur geringen Nutzung durch die KuK. Office365 habe ich durch eine vom VLW durchgeführte Fortbildung an der WIHOGA (www.wihoga.de) kennengelernt und ich muss zugeben, ich fand und finde diese Software schon ganz gut.
Wie ich auch schon erwähnte, nutze ich auch das eingeführte Moodle und ich gebe zu, es war schon etwas aufwendig, sich in dieses System hineinzufinden und all die Einstellungsmöglichkeiten zu verstehen. Mein Dank an Unterstützung, ohne die ich manches nicht geschafft hätte, gilt Martina Grosty (@mgrosty), die mir mit Rat und Tat geholfen hat.
Ich finde, dass beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben. Die „Bequemlichkeit“ der Nutzung spielt dabei schon eine große Rolle, zumindest für mich. Ich verstehe aber auch den Ansatz, dass Open Source Software eine Möglichkeit ist, sich gegen Monopole zu wehren. Und viele Universitäten setzen Moodle ein, so dass es für die Schülerinnen und Schüler aus dem Wirtschaftsgymnasium durchaus Vorteile hat, bereits mit diesem System vertraut zu sein.
Andererseits nutzen viele Unternehmen, deren Auszubildende bei uns am Berufsschulunterricht teilnehmen, das Office-System und sind dementsprechend vertraut damit.
Wie heißt es immer so schön: Man soll die SuS da abholen, wo sie sind.
Und das ist nun einmal die Realität.
Was mag ich an der Digitalisierung? Ich sehe insbesondere folgende Vorteile:
1.) Die SuS können jederzeit u. a. mit Ihrem Smartphone arbeiten. Sie sind zeitlich und auch räumlich ungebunden. Stichwort „Flipped Classroom“
2.) Die SuS können in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Dies merke ich insbesondere, wenn ich mit den QR-Codes arbeite. Dadurch, dass in diesen Codes die Musterlösungen enthalten sind, können die SuS, die schneller sind, sofort ihre Lösung mit der Musterlösung vergleichen, während andere sich mehr Zeit lassen können und ggf. die Aufgaben zuhause weiter bearbeiten und auch sie haben dann sofort die Musterlösung. Dies führt zu einer deutlich entspannteren Atmosphäre. Weder sind die besseren SuS gelangweilt noch fühlen sich die schwächeren SuS unter Druck gesetzt.
3.) Die SuS können sofort ein Feedback bekommen. Auch wenn dies von manchen im theoretischen Diskurs als behavioristisch angesehen wird, stelle ich bei meinen SuS fest, dass sie es überaus schätzen, sofort ein Feedback zu haben. Es wirkt meiner Ansicht nach sehr motivierend.
Ein letzter Punkt ist noch in meinem Kopf. Dabei geht es um den Begriff des Datenschutzes. Im März hatte ich das Vergnügen, die Molol 2019 in Oldenburg besuchen zu können. Und die Keynote von Klemens Skibicki (@KlemensSkibicki) hat mir klargemacht, dass es um einen ganz anderen Begriff gehen muss, nämlich Datensicherheit. Das ist das Entscheidende meiner Ansicht nach.
Es kann doch nicht sein, dass um einen herum alles digital wird, ich aber meine Noten wieder analog im Lehrerkalender niederschreibe. Klar muss dafür gesorgt werden, dass z. B. der Server der Schule gesichert ist und dass dort niemand eindringen kann. Aber das ist nun mal Datensicherheit.
Und ein letzter Punkt noch. Etwas, dass ich nie verstehen werde. Vorsicht, jetzt werde ich politisch.
Ja, die Bundesrepublik Deutschland hat ein föderales System, und es ist gut, dass es jedes einzelne Bundesland gibt. Was mir aber nicht in den Kopf will, dass 16 Bundesländer nur so wenig in Bezug auf digitale Bildung miteinander kooperieren. Letztlich habe alle die gleiche Anforderungen zu bewältigen.
Dass ich es nicht verstehe, liegt vielleicht an meiner beruflichen Vergangenheit. Ich habe u. a. in einem multinationalen Unternehmen gearbeitet, das auch verschiedene Standorte in Deutschland hatte. Und da war es z. B. klar, dass eine einheitliche Software benutzt wurde. Wenn da jeder Standort auf die Idee gekommen wäre, ein eigenes System zu benutzen, hätte das ein heilloses Durcheinander gegeben und sehr viele Reibungsverluste verursacht. Dabei standen alle Standorte vor den gleichen Aufgabe bzw. den gleichen Herausforderungen.
Klar sind da politische Entscheidungen notwendig und vielleicht hier und da die Aufgabe eigener Vorlieben, aber letztlich stehen alle Schulen, alle Schülerinnen und Schüler und alle Lehrerinnen und Lehrer vor den gleichen Herausforderungen.